Bei den Finals – Berlin 2022 sind am zweiten Wettkampftag weitere Medaillen vergeben worden. Dabei kam es zu einigen Überraschungen. Mit David Storl im Kugelstoßen siegte aber ein Favorit.

Berlin, 24. Juni. Sarah Voss hat ihren Titel im Gerätturnen Mehrkampf zurückerobert. 2019 hatte sie an gleicher Stelle, in der Max-Schmeling-Halle, triumphiert, 2021 den Titel aber nicht verteidigen können. Bei den Finals Berlin 2022 gewann die Kölnerin überzeugend die Deutsche Meisterschaft im Mehrkampf mit 53,200 Punkten vor der Stuttgarterin Kim Bui (52,050 Punkte). Den dritten Platz sicherte sich Emma Malewski aus Chemnitz mit 51,050 Punkten. Die Titelverteidigerin und Rekordmeisterin, Elisabeth Seitz, konnte nicht in die Entscheidung eingreifen, da sie nicht an allen Geräten antrat. Auch Pauline Schäfer-Betz aus Chemnitz ließ zwei Geräte aus und hatte daher mit der Entscheidung nichts zu tun. Die 22-Jährige Siegerin sagt im ZDF-Interview: „Meine Freude ist riesengroß, dabei habe ich noch gar nicht alles ausgepackt. Ich bin jetzt schon sehr zufrieden, egal, ob am Wochenende noch weitere Medaillen dazukommen.“

Darja Varfolomeev vom TSV Schmiden hat bei den Meisterschaften in der Rhythmischen Sportgymnastik die Dominanz von Margarita Kolosov vom SC Potsdam gebrochen und sich am Freitag den Titel im Mehrkampf gesichert. Die letzten Zweifel an ihrem Sieg beseitigte die 15-jährige Varfolomeev spätestens in der dritten Übungsrunde mit den Keulen. Mit einem absoluten Tageshöchstwert von 33,950 Punkten bestätigte die neue Meisterin im Mehrkampf (131,150 Punkte) ihre Top-Form, die sie schon mit zwei EM-Titeln gezeigt hatte. „Der Druck nach den zwei EM-Medaillen war jetzt natürlich schon etwas höher. Umso mehr freue ich mich, dass ich so gut durchgekommen bin“, sagte Varfolomeev nach dem Wettkampf. Auch Kolosov zeigte sich zufrieden mit ihrem Wettkampf: „Ich liebe Berlin und habe den Wettkampf sehr genossen und Spaß gehabt. Auch wenn man natürlich nie zu 100 Prozent zufrieden ist, lief es schon sehr gut. Ich freue mich sehr auf die Gerätfinals.“ Platz drei erreichte Melanie Dargel von der TG Worms. Eintrittskarten für die Wettkämpfe in der Max-Schmeling-Halle finden Sie hier.

Ex-Weltmeister David Storl vom SC DHfK Leipzig hat vor der beeindruckenden Kulisse des Brandenburger Tores die Meisterschaften im Kugelstoßen gewonnen. Ab Samstag setzt die Leichtathletik ihre Titelkämpfe im Olympiastadion fort. Gleich Storls erster Stoß auf 19,98 Meter hätte für seine zehnte Freiluft-Goldmedaille gereicht, dann ließ Storl noch 20,00 und 20,32 Meter folgen und machte schließlich mit neuer Saison-Bestleistung den Meistertitel klar. Simon Bayer (VfL Sindelfingen) belegte mit 19,94 Meter Platz zwei. Titelverteidiger Dennis Lukas (SSV Gymnasium Heinzenwies) kam auf 19,39 Meter und wurde Dritter.

Die Damen-Mannschaft vom PSC Coburg ist erstmals deutscher Meister im Speed-Kanu-Polo. Im Finale gab es einen 3:2-Erfolg gegen KCNW Berlin. Nachdem die erste Halbzeit mit zwei Toren durch den KCNW klar an die Berlinerinnen ging, schafften die Coburgerinnen diesen 0:2-Rückstand nach der Pause in eine Führung zu drehen, die bis zum Ende Bestand hatte. Direkt zum Start in die zweite Halbzeit schaltete das Team von Trainerin Katrin Schmalenbach einen Gang hoch. „Ich wollte, dass sie nach der Pause ihren Turbo aufdrehen“, so Schmalenbach. „Es gehört schon Einiges dazu, so einen Rückstand zu drehen, deswegen bin ich unglaublich stolz auf das Team.“ Bronze holte der 1. Meidericher KC. Nach zwei Tagen Speed-Kanu-Polo an der City-Spree – ein Format das eigens für Die Finals – Berlin 2022 entwickelt wurde, fiel die Bilanz positiv aus: „Speed-Kanu-Polo ist nicht nur besonders telegen, es ist für die Zuschauer extrem spektakulär. Es gibt keinen Stillstand, keine Langweile, einfach Action pur. Eine Tor-Situation jagt die andere. Mir hat es sehr gut gefallen“, sagte DKV-Präsident Jens Perlwitz.

Im Fechten setzte sich im Herrenflorett nach einem extrem spannenden Gefecht Laurenz Rieger (TSG Weinheim) gegen André Sanita (OFC Bonn) durch. Sanita wähnte sich bereits als Sieger, doch der Videobeweis brachte Rieger zurück, der nach einem 12:14-Rückstand mit 16:14 gewann. Im Damendegen holte sich etwas unerwartet Laura Katalin Wetzker mit 15:13 gegen ihre Vereinskollegin Alexandra Ehler (beide TSV Bayer Leverkusen) die Goldmedaille.

In einem spektakulären Rennen sicherten sich Jacob Schopf und Jule Hake beim Kanu-Rennsport den Titel knapp vor Max Lemke (KC Potsdam) und Paulina Paszek (HKC Hannover). Mit dem Auge war der knappe Vorsprung nicht erkennbar, sodass per Zielfoto eine Differenz von drei Hunderstel Sekunden ermittelt werden konnte. „Das Rennen hat schon richtig Spaß gemacht, besonders in dieser Mixed-Variante“, meinte Hake nach dem Rennen auf der City-Spree. „Ich paddele gerne mit Herren, gerade wegen der hohen Geschwindigkeit. Das macht einfach immer gute Laune.“ Bronze holten Tom Liebscher (KC Dresden) und Caroline Arft (KG Essen).

Das Finale um den Titel im Parallelsprint im Parakanu wurde erst kurz vor der Ziellinie entschieden. In einem harten Endkampf unterlag Anja Adler (SV Halle Parakanu) der Bronzemedaillengewinnerin von Tokio, Felicia Laberer (SC Berlin-Grünau). „Ich hatte hier sicherlich einen Heimvorteil, denn die Bedingungen mit Wind und Wellen kenne ich von meiner Trainingsstrecke in Grünau gut.“ Platz drei ging an die mehrfache Weltmeisterin und Paralympics-Siegerin Edina Müller (Hamburger KC). Um den unterschiedlichen Leistungsvermögen der unterschiedlichen Startklassen und damit der Beeinträchtigungen Rechnung zu tragen, und es auch zu ermöglichen, dass Männer und Frauen gegeneinander fahren können, hatte das Team um Bundestrainer Andre Brendel Zeitabstände für den Start berechnet.

Martin Schulz und Neele Ludwig haben bei den deutschen Meisterschaften im Triathlon den Titel im Para-Mixed-Relay gewonnen. Der zweimalige Paralympics-Sieger Martin Schulz musste aufgrund kurzfristiger Ausfälle zweimal starten. „Ich war im Vorjahr schon doppelt am Start, so lohnt es sich für mich so richtig“, sagte der zehnmalige Europameister mit einem Schmunzeln. Platz zwei über 3 x 250 Meter Schwimmen, 4 Kilometer Radfahren und 1,75 Kilometer Laufen belegten Adam Karas, Lars Konek und Lennard Joel Ehrler (1:07:36). Ehrler ist gerade einmal elf Jahre alt. Der sehbehinderte Junge wurde dabei von seinem Vater geführt. Rang drei ging an Kim Cremer, Björn Maas und Hans-Jürgen Westbrock (1:11:04).

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