Weltcup in Tokio, Europameisterschaft in Budapest, die „Finals 2021 Berlin | Rhein-Ruhr“ und zurück nach Tokio zu den Olympischen Spielen – so lautet das ambitionierte Programm in diesen Wochen der Wasserspringer*innen. Hauptdarsteller*innen bei den nationalen Titelkämpfen in der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark Berlin, die gleichzeitig als Olympia-Qualifikation dienen, sind Tina Punzel aus Dresden und Lokalmatador Patrick Hausding.

Hausding schraubt und dreht sich seit mehr als einem Jahrzehnt auf Weltklasse-Niveau. Bei den Europameisterschaften in Ungarn gewann der sympathische Berliner Mitte des Monats seinen 17. Titel – Rekord (!). „Das klingt ziemlich surreal – ich weiß nicht, wie viele Athleten dazu in der Zukunft fähig sein werden”, sagte Hausding und freute sich nach seinem zweiten Gold in Budapest mit Lars Rüdiger im Synchronspringen über eine Premiere: „32 Jahre alt und trotzdem noch neue Dinge erreichen – ich war noch nie Europameister im Drei-Meter-Synchron.”

Die EM-Auftritte machen Hausding, den Bundestrainer Lutz Buschkow mal als „Sechser im Lotto“ bezeichnete, viel Hoffnung für die Sommerspiele in Tokio. Nach Silber 2008 im Synchronspringen vom Turm mit Sascha Klein und Bronze 2016 im Kunstspringen vom Drei-Meter-Brett würde er in Japan seine olympische Karriere liebend gerne mit einer weiteren Medaille beenden – und im besten Fall seinen Medaillensatz komplettieren. „Wir waren in der letzten Saison noch so ein bisschen die Underdogs und jetzt haben wir uns nicht nur beim Weltcup, sondern auch bei der EM super vorgestellt und gezeigt, dass wir Medaillenkandidaten auch für Olympia sind“, sagte Hausding, der Anfang Mai beim Weltcup in Tokio bereits einen Vorgeschmack auf die Olympischen Spiele erhielt.

Beim Qualifikations-Wettkampf als wichtigem Test für die Ausrichter durften sich die Sportler nur im Hotel und in der Wettkampfstätte aufhalten, zwischen beiden Orten fuhr ein Shuttlebus. Im Hotel sollten die Aktiven nur in ihrer Etage bleiben. Gegessen habe man im Zimmer, verriet Hausding. Die Organisatoren würden aber große Anstrengungen unternehmen, um die Spiele sicher und eindrucksvoll über die Bühne zu bekommen – aber es werde vermutlich auch Proteste geben, glaubt Hausding. Er erwarte trotz aller Schwierigkeiten besondere Spiele. „Es wird auf seine eigene Art und Weise ein ziemliches Spektakel.“

Für den Berliner werden es vermutlich die letzten Spiele seiner langen und eindrucksvollen Karriere als Wasserspringer, die vor 13 Jahren begann. „Es sagen schon welche, bis zu den nächsten Olympischen Spielen 2024 in Paris sind es nur noch drei und nicht vier Jahre“, sagte Hausding. „Aber ich bin an einem Punkt angekommen, an dem es langsam reicht, sich nochmal auf Olympia vorzubereiten. Das werden meine letzten Olympischen Spiele sein“, bestätigte Hausding in Ungarn am Rande der EM seinen Karriereplan.

Tina Punzel gehört ebenfalls seit vielen Jahren zu den absoluten Top-Springerinnen Deutschlands und steht in Tokio nach Rio de Janeiro vor ihrer zweiten Olympia-Teilnahme. 2016 kam sie im Einzel vom 3-m-Brett ins Halbfinale. Zudem belegte die 25-Jährige, die wie ihr Vater Rainer Punzel für den Dresdner SC startet, mit Nora Subschinksi im Synchronwettbewerb den siebenten Platz. In diesem Jahr sind die Ziele höher gesteckt – und die Form bestätigt die Ambitionen.

Bei den Europameisterschaften in Budapest holte Punzel zweimal Gold, dazu einmal Silber und Bronze. Acht Jahre nach ihrem Überraschungs-Titel bei ihrer ersten EM als damals 17-Jährige durfte die Dresdnerin bei der Siegerehrung damit wieder die Nationalhymne genießen. „Ich bin superglücklich und glaube, wir können als Team wirklich gestärkt nach Tokio fahren“, sagte Punzel, die sich aber zunächst wie Hausding in Berlin abschließend qualifizieren muss.

In den vier Einzeldisziplinen bei den Sommerspielen hat Deutschland sieben Quotenplätze erreicht, zudem ist der Deutsche-Schwimm-Verband e.V. (DSV) in drei der vier Synchronwettbewerbe dabei. Wer die Startplätze letztlich einnimmt, entscheidet sich bei den deutschen Meisterschaften, die im Rahmen der „Finals 2021 Berlin | Rhein-Ruhr“ in Berlin stattfinden. Punzel freut sich da vor allem über das mediale Interesse und die Übertragungen in ARD und ZDF. „Das ist für uns natürlich super, wenn die Deutschen Meisterschaften im Fernsehen übertragen werden. So etwas kennen wir sonst nur von Welt- und Europameisterschaften oder von den Olympischen Spielen“, sagt die Sportsoldatin. „Gerade für die jüngeren Sportler*innen ist das bestimmt ein cooles Erlebnis. Die Wettkämpfe sind für uns eine gute Möglichkeit, unsere Sportart einem breiten Publikum zu präsentieren und Werbung für unseren schönen Sport zu machen.“