Gina Lückenkemper oder Bo Kanda Lita Baehre bei der Leichtathletik, Laura Lindemann im Triathlon, Nina Reichenbach im Fahrrad Trial oder Kim Bui im Gerätturnen: Die favorisierten Athletinnen und Athleten haben am dritten Tag der Finals – Berlin 2022 den Wettkämpfen ihren Stempel aufgedrückt.

Sprinterin Gina Lückenkemper hat am Samstag für das absolute Glanzlicht bei der Titelkämpfen in der Leichtathletik gesorgt. Die Berlinerin blieb im Finale über 100 Meter mit 10,99 Sekunden erstmals seit vier Jahren wieder unter der magischen 11-Sekunden-Marke. In der Vormittagssession katapultierte sich Stabhochspringer Bo Kanda Lita Baehre mit 5,90 Meter auf Platz drei in der aktuellen Weltbestenliste. Ihren vierten Titel im Diskuswurf gewann Kristin Pudenz mit der Weltklasse-Weite von 67,10 Metern.

Mit 10,99 Sekunden blieb die Lückenkemper  zum vierten Mal in ihrer immer noch jungen Karriere unter elf Sekunden, zuletzt war ihr diese außergewöhnliche Leistung im Jahr 2018 gelungen. „Ich liebe dieses Stadion und die Stimmung hier“, sagte die EM-Zweite des Jahres 2018 am Stadionmikrofon und rief: „Gina is back.“ Nur Kathrin Krabbe war bei ihrem Meisterschaftsrekord von 10,91 Sekunden im Jahr 1991 schneller bei deutschen Meisterschaften als die 25-Jährige. Für Lückenkemper war es der dritte DM-Titel unter freiem Himmel. Bei den Männern war der Hamburger und Jahresschnellste Owen Ansah in starken 10,09 Sekunden nicht zu schlagen.

Weiter und immer weiter flog der Diskus von Kristin Pudenz. Die Olympia-Zweite steigerte sich in einem hochklassigen Finale auf 67,10 Meter, schob sich damit auf Platz 16 der ewigen deutschen Bestenliste und bestätigte damit ihren derzeitigen Platz drei in der Welt. Dabei ließ sich die Potsdamerin auch nicht von einer zwischenzeitlichen Unwetter-Unterbrechung irritieren, die an die Olympischen Spiele von Tokio erinnerte. Für Bo Kanda Lita Baehre fackelte im Stabhochsprung-Finale ein technisches als auch mentales Meisterstück ab. Bis 5,80 Meter nahm der WM-Vierte alle Höhen im ersten Versuch – eine Leistung, die ihm an diesem Tag keiner nachmachen konnte. Als seine Konkurrenz nur noch zuschauten, sprang der 23-Jährige solo weiter und flog in seinem ersten Durchgang über starke 5,90 Meter.

Laura Lindemann (Triathlon Potsdam) hat sich am Samstag bei den Meisterschaften im Triathlon über die Sprintdistanz (750 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren, 5 Kilometer Laufen) den Titel bei den Frauen gesichert. Die Ränge zwei und drei gingen an Annika Koch (TuS Griesheim/EJOT Team TV Buschhütten) und Nina Eim (Triathlon Potsdam). Für die Potsdamerin Lindemann, die am Sonntag ihren 26. Geburtstag feiert, war es nach 2015 sowie 2017 bis 2019 der fünfte Meistertitel. Sie hat sich durch den Erfolg auch einen Startplatz bei den Europameisterschaften in München im August gesichert. „Bis auf das Schwimmen habe ich ein gutes Rennen gezeigt“, sagte die in Berlin geborene Lindemann: „Das Publikum war mega cool und die Tribünen voll. Es hat sehr viel Spaß gemacht vor diesen vielen Menschen einen Wettkampf zu absolvieren.“

Im Kanu-Rennsport holte Julia Hake bereits ihren zweiten Titel in Berlin. Nach dem Sieg im Zweier-Kajak mit Jacob Schopf am Freitag ließ die 22-jährige Lünenerin auch im Einer-Kajak nichts anbrennen. Im A-Finale siegte Hake gegen die Titelverteidigerin Paulina Paszek aus Hannover. „Ich bin jetzt schon erleichtert“, so Hake. „Wenn man als Favoritin gehandelt wird, will man das ja auch beweisen. Aber die Finals sind so eine krasse Erfahrung, das setzt noch einmal Kräfte frei.“ Im Einer-Canadier setzte sich Olympiasieger Peter Kretschmer vom KC Potsdam auf der City-Spree durch.

Im Radsport Trial siegte wie erwartet die Top-Favortin Nina Reichenbach am Neptunbrunnen. Die viermalige Weltmeisterin vom TSV Bretten war erneut das Maß der Dinge und nicht zu gefährden. Bei den Männern ging der Titel an Dominik Oswald – für den 25-Jährige war es bereits der siebte nationale Erfolg.

Im Gerätturnen der Frauen siegten am Sprung und Stufenbarren ebenfalls etablierte Athletinnen. Mehrkampf-Meisterin Sarah Voss (TZ DSHS Köln) setzte sich am Sprungtisch deutlich mit 13,066 Punkten von der Konkurrenz ab. Am Stufenbarren lag mit Kim Bui (MTV Stuttgart) eine ebenfalls namhafte Athletin vorn. Nach ihrem unfreiwilligen Abgang vom Gerät am Vortag im Mehrkampf zeigte Bui eine sehr schwierige Übung und holte sich mit 13,600 Punkten den Titel. „Nach meinem Sturz am Freitag  habe ich alle Sinne geschärft und gut durchgeturnt“, sagte Bui. Bei den Gerätefinals der Männer gab es dagegen überraschende Sieger: Milan Hosseini von der TG Böcingen siegte in der Max-Schmeling-Halle am Boden (14,266); Pascal Brendel vom KTV Wetzlar setzte sich am Pauschenpferd durch (13,500); an den Ringen war Lokalmatador Dario Sissakis vom SC Berlin (13,666) stärkster Turner. Der Punktbeste der Qualifikation und Favorit an den Ringen, Marcel Nguyen, sagte seinen Start im Finale auf Grund von Schulterproblemen ab. Er wolle „in Hinblick auf die Heim-EM in München kein Risiko eingehen“, begründete zweifache Olympiazweite von 2012 seine Entscheidung.

Vor vollen Rängen und bei bestem Sommerwetter haben sich Sarah Wibberenz (W1x), Torben Johannesen und Wolf-Niclas Schröder (M2), Sylvia Pille-Steppat (PR1W1x) sowie Dominik Siemenroth und Miriam Federle (PR3Mix2x) die Meistertitel im Rudern auf der City-Spree gesichert. Schon der Start unterhalb der Oberbaumbrücke war Anziehungspunkt für viele Zuschauer. Sobald die Ampel auf grün sprang, wurden die Sportlerinnen und Sportler quasi von den Fans an den Ufern über die 350-Meter-Sprintdistanz getragen. Spannende Bord-an-Bord-Kämpfe und Fotofinishs sorgten für Gänsehautmomente an der historischen Stätte in der Hauptstadt. „Es hat echt Spaß gemacht, das ist eine wirklich coole Veranstaltung. Ist mal was anderes als über die 2000 Meter. Auf jeden Fall auch wackliger“, so Torben Johannesen nach dem Sieg. Verabschiedet wurde die Olympiasiegerin und zweimalige Weltmeisterin Annekatrin Thiele. „Natürlich wäre es schön gewesen, im Finale zu rudern, aber das war heute alles sehr eng. Hier geht jetzt ein langer Lebensabschnitt zu Ende. Ich bin über 20 Jahre gerudert. Es ist schön, dass heute Familie, Freunde und langjährige Weggefährten hier sind“, so Thiele, die nach dem Rennen mit einer Sektdusche überrascht wurde.

Darja Varfolomeev (TSV Schmiden) ist das Maß aller Dinge in der Rhythmischen Sportgymnastik. Schon am Freitag hatte sie sich im Mehrkampf den Titel gegen die Dominatorin der vergangenen Jahre, Margarita Kolosov (SC Potsdam), gesichert. Am Samstag gewann die 15-Jährige auch noch die Meistertitel Nummer zwei bis vier. Im Einzel war sie mit den Keulen, dem Ball und Reifen nicht zu schlagen und ließ ihrer Potsdamer Kontrahentin jeweils nur den Silberrang. Nur im letzten Wettkampf des Tages gewann Margarita Kolosov den Titel, weil sich das Band von Varfolomeev verknotet hatte. Die vierfache Deutsche Meisterin 2022 holte in diesem Duell Bronze. Über Silber freute sich Malvina Chakyr (TSV Schmiden).

Im Bogensport war im Recurve Team Frauen das mit Clea Reisenweber, Elina Idensen und Elisa Tartler ausschließlich aus Kaderschützinnen bestehende Termin aus Berlin der klare Favorit im Goldfinale gegen den PSV München und wurde dieser Rolle gerecht. Das Berliner Trio gewann mit 6:0. „Wir haben viel über den Wind geredet, weil wir uns alle nicht sicher waren. Dann haben wir beschlossen, wir machen mutige Schüsse, und das hat ja super geklappt“, verriet Tartler die Vorgehensweise. Nach Doppel-Gold greift Eric Linke. Er gewann an der Seite von Ben Greiwe und Matthias Kramer den Titel bei den Männern. Dabei schmeckte der Sieg besonders „süß“, denn das Trio vom BSC BB Berlin schlug die Vereinskollegen Jannis Kramer, Christoph Breitbach, Domenic Merkel 6:2.

Im Compound Team jubelten am Ende Katharina Raab, Maria Raab, Katharina Kutscher (Oberallgäuer Gauschützen) über das 216-202 und den Titel. In der Männer-Konkurrenz rissen am Ende Philipp Rosek, Lars Klingner, Falk Just (TSV Lindenberg 1994) die Arme hoch. Ihr 221-208 war letztlich ungefährdet, die Führung wurde vom ersten bis zum letzten Pfeil konsequent ausgebaut.

Die Spielerinnen von Düsseldorf LFDY dürfen sich ab sofort 3×3-Basketball Meisterinnen 2022 nennen. Im Final-Duell zweier Düsseldorfer Teams besiegten sie Düsseldorf Flingern mit 19:11 und sicherten sich so die Goldmedaille und die Championship-Ringe. Beide Teams kämpften um jeden Ball und jeden Rebound. Die Damen von Düsseldorf LFDY wurde dabei im Spielverlauf ihrer Favoritenrolle aber immer mehr gerecht und spielten ihre ganze Erfahrung aus. Nach sieben Minuten führten sie schon mit fünf Punkten. Und diese Führung gaben sie dann bis zum Ende auch nicht mehr ab. Ama Degbeon, Jennifer Crowder, Theresa Simon und Klaudia Grudzien sicherten sich mit ihrem 19:11-Sieg unter großem Jubel und Applaus den Titel und bekamen die verdiente Goldmedaille.

Die Übersicht wird kontinuierlich fortgeschrieben.

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