Emil Wedekind (Trial), Fabian Liebig (Moderner Fünfkampf), Selina Klamt (Triathlon) und Christian Diener (Schwimmen) leben und trainieren in der Metropol-Region Berlin-Potsdam. Die Wettkampfstätten des Quartetts im Rahmen der „Finals 2021 – Berlin I Rhein-Ruhr“ (3. bis 6. Juni) liegen allesamt in der Sportmetropole Berlin. Gibt es einen Heimvorteil? Wir haben nachgefragt.

Emil Wedekind vom MSC Potsdam hat sich erstmals für die deutschen Meisterschaften im Trial (Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark) bei den Junioren qualifiziert. Der 17-Jährige, der die Waldorf-Schule Berlin-Mitte besucht und in zwei Jahren sein Abitur ablegen will, ist vor sechs Jahren zum Trial gekommen. „Ich bin damals auf YouTube auf die Filme von Fabio Wibmer gestoßen“, berichtet Wedekind. Wibmer ist ein österreichischer Mountainbike- und Trial-Fahrer und Webvideoproduzent. „Ich habe mir dann ein Rad gekauft, noch mit Sattel – so hat es begonnen“, sagt Wedekind, der mit seiner Familie seit einiger Zeit in Falkensee lebt

Inzwischen trainiert Wedekind sechsmal die Woche, teils auf dem Vereinsgelände vom MSC Potsdam, teils im heimischen Garten auf Paletten – immer auf der Suche nach dem bestmöglichen und fehlerfreien Weg mit einem speziellen Fahrrad durch verschiedene Hindernis-Sektionen.  „In letzter Zeit habe ich viel Zeit in meinen Sport reingesteckt – da mussten auch die Freunde mal zurückstehen“, erklärt Wedekind, der sich für die Meisterschaften ganz klar den Titel in der 26-Zoll-Klasse als Ziel gesetzt hat, um sich auch für internationale Meisterschaften anzubieten. Einen Heimvorteil sieht er nicht: „Nein, den gibt es nicht. Es kommen alle Fahrer*innen zum Wettkampf und wissen nicht, wie die Strecke aussieht – das ist für alle gleich“, berichtet Emil Wedekind.

Allerbeste Erinnerungen an die „Finals 2019“ hat Fabian Liebig vom OSC Potsdam. Vor zwei Jahren siegte der Polizeikommissar im Modernen Fünfkampf – einer Kombination aus Degenfechten, Schwimmen, Springreiten und dem kombinierten Abschlusswettkampf aus Laufen und Schießen – und sicherte sich den Titel „Deutscher Meister“. „Das war damals eine tolle Sache. Das ZDF hat 2019 unseren Sport etwa 15 Minuten live übertragen – und ausgerechnet da habe ich gewonnen. Das hat sich fast wie bei einer WM angefühlt“, erinnert sich der 26-Jährige. Da im vergangenen Jahr die nationalen Titelkämpfe der Modernen Fünfkämpfer aufgrund der Corona-Pandemie ausgefallen sind, geht der gebürtige Berliner bei den „Finals 2021 – Berlin I Rhein-Ruhr“ als Titelverteidiger im Olympiapark Berlin an den Start.

„Natürlich gehe ich mit dem Ziel in den Wettkampf, meinen Titel zu verteidigen. Der Stellenwert ist schon sehr hoch. Der Fokus liegt aber woanders“, erklärt Liebig. Unmittelbar nach Abschluss der Finals haben die Modernen Fünfkämpfer ihre Weltmeisterschaft in Kairo/Ägypten (8. bis 14. Juni), die gleichzeitig Abschluss der laufenden Qualifikation für Tokio sind. Vier deutsche Männer dürfen sich über die Rangliste noch Hoffnungen auf einen der zwei deutschen Startplätze für die Olympischen Spiele machen – und Fabian Liebig geht als „Leader“ ins Rennen. „Natürlich wäre der deutsche Meistertitel schön für das Prestige. Ich sehe den Wettkampf aber eher als Formtest. Das große Ziel ist natürlich, bei den Olympischen Spielen dabei zu sein – das ist noch schöner als der Meistertitel“, sagt Liebig. Einen Heimvorteil sieht er für die „Finals 2021 – Berlin I Rhein-Ruhr“ nicht: „Das ist wirklich nur marginal. Eventuell hat man Glück beim Zulosen der Pferde und kennt schon das Tier – das wäre aber wirklich großer Zufall“, erklärt Fabian Liebig.

Selina Klamt vom Verein Triathlon Potsdam war bereits vor zwei Jahren bei den Finals in Berlin dabei, damals im Rahmen der Bundesliga-Wertung. In diesem Jahr geht die 20-Jährige bei den deutschen Triathlon-Meisterschaften (Start: Strandbad Wannsee, Ziel Olympiapark) erstmals im Rahmen der Elite-Frauen-Wertung an den Start. „Für mich geht es darum, die ,Großen‘ der Szene, wie Lena Meißner und Annika Koch, etwas zu ärgern und mir im besten Fall einen Startplatz für die U-23-Weltmeisterschaft Ende August in Edmonton zu sichern – das wäre perfekt“, sagt die nur 1,56 Meter große Klamt.

Die aus Mahlow bei Schönefeld stammende Klamt war zunächst Schwimmerin, ehe sie ab der 7.Klasse die Sportschule in Potsdam besuchte, an der sie Mitte Mai die letzten schriftlichen Abitur-Prüfungen abgelegt hat. Das nasse Element ist auch nach wie vor ihre „Schokoladendisziplin“. „Ich mag inzwischen alle Teildisziplinen, aber ja, ich habe als ehemalige Schwimmerin hier Vorteile und kann mir oft eine Super-Ausgangslage verschaffen“, sagt Klamt. Einen leichten Heimvorteil hat sie zudem auch: „Wir werden sicherlich in der Meisterschafts-Woche noch zum Wannsee fahren und das Hinein- und Herauslaufen üben“, erklärt Selina Klamt. Nach den 750 Meter Schwimmen geht im Wettkampf dann für 20 Kilometer aufs Rad, ehe ein 5-Kilometer-Lauf die Sprintdistanz beendet. Ebenfalls bei den „Finals 2021 – Berlin I Rhein-Ruhr“ im Programm ist eine Mixed-Relay-Staffel.

Das Ticket zu den Olympischen Spielen in Tokio hat Christian Diener vom Potsdamer SV bereits sicher in der Tasche. Der gebürtige Cottbuser nutzt deshalb die deutschen Meisterschaften der Schwimmer in der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark in Berlin als Durchgangsstation. „Ich sehe die Finals für mich als Test, will ein bisschen Wettkampf-Feeling sammeln – so viele Möglichkeiten hatten wir zuletzt ja nicht“, sagt Diener, der während der Titelkämpfe seinen 28. Geburtstag feiert und zu den erfahrenen Athleten im Olympia-Kader des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) zählt.

Nach 2016 hat sich Diener zum zweiten Mal für die Olympischen Spiele qualifiziert. Vor fünf Jahren in Rio de Janeiro erreichte der Rückenspezialist etwas überraschend über 200 Meter das Finale und belegte einen starken siebten Platz an der Copacabana. Über die gleiche Strecke ist Diener auch in Tokio nominiert. Die Norm für die Spiele knackte er in Berlin in 1:56,99 Minuten – die Bedingungen sind ihm also bestens bekannt. Die Finals, bei denen er mehrfach an den Start gehen wird, werden für den Potsdamer die Tokio-Generalprobe: „Natürlich ist ein Meister-Titel auch immer für die Vita sehr schön“, sagt Diener, der Fokus geht aber klar Richtung Tokio: „Einige deutsche Schwimmer reisen noch zu einem Wettkampf nach Italien, für mich ist Berlin aber der letzten Wettkampf vor Olympia“, erklärt Christian Diener, der voraussichtlich am 11. Juli mit der Nationalmannschaft zur weiteren Vorbereitung nach Kumamoto in Japan fliegen wird.

Bild: DTU Jo Kleindl